
Aus dem aktuellen Newsletter des Klinikums Rechts der Isar der TU München (3. Quartal 2010):
Wir haben uns an sie gewöhnt und laufen täglich an ihnen vorbei, oft ohne sie wahrzunehmen. Mehrere hundert Kunstwerke hängen oder stehen in den Gängen und Büros des Klinikums, mehr als in manchem Museum. Sie sind allesamt Leihgaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. MRintern stellt künftig ein bis zwei Werke vor. Vielleicht bekommen Sie Lust sich auch das Original anzuschauen.
"Auf einer großen blauen Fläche sind viele winzig kleine Blätter, Fasern oder Schnipsel zu sehen. Jedes dieser Teilchen erhält durch Schatten eine Körperhaftigkeit und eine überwirkliche, surrealistische Räumlichkeit, wie wenn sie auf einer Wasserfläche schwimmen würden, sich zugleich aufrichten und davon fliegen. Ein großes schattenartiges Gebilde überlagert den kleinteiligen Grund und verweist auf ein Objekt oder Gebäude ausserhalb des Bildes. Durch die Schatten entsteht einerseits Räumlichkeit, andererseits ein Hinweis auf Wirklichkeit ausserhalb des Bildes."
Der Titel "Chateau d´Eau" bedeutet auf deutsch "Wasserturm", und in der Tat gibt es Wassertürme, die auf mehreren Stelzen stehen und einen so ähnlichen Schatten werfen würden. Aber, so fragt sich der Betrachter, warum fällt der Schatten eines Wasserturms auf eine Wasserfläche? Und schon sind wir mitten im Gedankenspiel des Künstlers zwischen Bildwirklichkeit und außerbildlicher Realität, und wir spüren mit seiner Aufmerksamkeit den vielfältigen Urgründen und Geheimnissen des Seins nach."
Das Bild ist 1990 im Anschluß eines 2-jährigen Parisaufenthaltes in München entstanden, wie der französiche Titel ahnen lässt. Es wurde 1991 zur Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Darmstadt und 1992 in der Ausstellung "Bayerische Kunst unserer Tage" im Nationalmuseum Breslau/Wroclaw gezeigt, bevor es die Staatsgalerie Moderner Kunst, München erworben hat und es nun als Leihgabe im Klinuikum Rechts der Isar der TU München zu sehen ist.
In seinen ungewöhnlichen Bildfindungen gelingt es Reinhard Fritz den Betrachter zu faszinieren und mit Zeichen und Symbolen des Lebens zu neuen Gedanken anzuregen. Seine, von großer Musikalität durchdrungenen Bilder stehen in der Tradition der Farbfeldmalerei und der Lyrischen Abstraktion. Seine Technik ist die Lasurmalerei, die er im kleinen Aquarell wie auf den großen Formaten weißgrundierter Leinwand mit großer Artistik einsetzt. Die Farbe wirkt bei dieser Malweise einerseits immateriell wie eine Lichterscheinung, andererseits wird die Textur der Leinwand und die Struktur der Grundierung hervorgehoben und damit die materielle Wirklichkeit der Malerei betont.
Reinhard Fritz studierte an der Münchner Kunstakademie von 1967 bis 1974 und ist seidem als freischaffender Künstler in München tätig. 2002 erhielt er den Seerosenpreis der Landeshauptstadt München. Zahlreiche Ausstellungen und öffentliche Ankäufe machten sein Werk auch über München hinaus bekannt.








